Drei Stunden Glückseligkeit

Neumarkter Formation erntet für ihren überzeugenden Auftritt im Reitstadel stehende Ovationen.

Neumarkt. Wenn es nach dem verklungenen letzten Ton des letzten Liedes das Publikum nicht mehr auf den Stühlen hält und es sich zu stehenden Ovationen „herausgefordert“ fühlt. Wenn so ziemlich jeder in diesem Publikum ein glückseliges Lächeln im Gesicht zeigt – wenn das sich das alles bei einem Konzert einstellt, was will da ein Künstler mehr? Das Optimum dessen, wie ein Konzert eben auf ein Publikum wirkt, hat sich am vergangenen Samstag im Reitstadel ereignet. In diesem gegenseitigen Wechselspiel der Glückseligkeit mit dem Publikum war die Neumarkter Band „schwarzweiss“ zu Gange. Der Anlass, die Präsentation der allerersten CD dieses Quintetts, war zwar der Anlass; er geriet aber fast zur Nebensache.
Ohne Mikrophone für Instrumente oder Gesang – den gibt’s bei der Band eh nicht – und mit einer sehr dezenten „Lichtshow“ beschränkte sich die Formation auf das, was sie am besten kann: Als harmonische, allüren-freie Einheit auftreten. Die Fünf schaffen es bei ihren Live-Auftritten zudem, schnörkellos eine enorme Begeisterungsfähigkeit für die Wiedergabe fröhlich-swingender, aber auch melancholisch-balladesker Musikstücke zu zeigen. Weil auch immer wieder die einzelnen Instrumente unterschiedlich stark im Vordergrund stehen,, wäre es nicht gerecht, einzelne Musiker als prägendes Element des Gesamteindrucks der Gruppe in den Vordergrund zu stellen.
Als „Marke“ dieser Band zeichnet sich aber immer mehr das Faible ab, Liedstimmen instrumental zu interpretiere. So geschieht das schon lange bei „Baker Street“: Mit diesem 80er-Hit war Gerry Rafferty auch in Deutschland bekannt geworden. Bei „schwarzweiss“ schafft es Piotr „Beda“ Siedlik, diese intensiv gesungene poppige Beschreibung einer berühmten Straße in London mit seiner Geige treffend wiederzugeben. Auch Mika’s erfrischende Art, sich im gleichnamigen Lieder über „Grace Kelly“ auszulassen, gibt Siedlik ohne Abstriche wieder. Das Highlight der Spezialität von „schwarzweiss“ ist jedoch „Nessun Dorma“: Siedlik mit der Geige und Leo Gmelch mit der Klarinette schaffen es, die anrührende, von Paul Potts wohl zum „Lied des Jahres 2008“ gemachte Arie die Gänsehaut provozierend wieder zu geben – und das in kammermusikalischer Instrumentierung.
Auch wenn der Abend mehr als Werbeveranstaltung für de CD war: In punkto Einhalten der Tempi hat sich die Intensität, mit der in den „Rosewood“-Studios des Neumarkter Produzenten Mark Bender zwei Tage lang der „Silberling“ eingespielt worden ist, deutlich positiv auf die Entwicklung der Band bemerkbar gemacht. Der Lockerheit, mit der Interpretationen der Band herüber kommen, hat das genützt. So ist es ein Vergnügen, den „Oasis“-Hit „Wonderwall“ in einer swingenden „schwarzweiss“-Version mit Saxofon und Akkordeon (Michael Dorner) zu hören. Das ist ein Paradestück der fünf jungen Herren, denn trotz eigener Prägung bürsten sie nichts gegen den Strich und vermeiden so, was eine Karikatur des Originals bedeuten würde.
Eben: Fünf mal Spielfreude pur – und am Samstag im proppenvollen Reitstadel drei Stunden lang mit so vielen interessanten Abwechslungen.

scharzweiss im Reitstadel